Spätestens seit dem Einstieg von "Ashley Dayour" als Gitarrist bei den Landes- und Labelgenossen L'ame Immortelle, sind Whispers in the Shadow in voller Munde - Nun ja, zumindest mehrte es den Grad ihrer Bekanntheit. Schade eigentlich, denn mit Stolz kann die "Wiener" Band auf doch bereits vier Longplayer zurückblicken, die auf keinen Fall ungehört bleiben sollten. Als Veranstalter ihres allerersten Konzertes, das zugleich eines von nur zweien war, bei denen ich Whispers Live erleben durfte, war man nun doch gespannt, wie sich die Band in diesen mittlerweile 7 Jahren vor allem in Sachen Live Performance weiterentwickelt hat. Und ja, man wurde auf keinen Fall enttäuscht...
Mit neuem Live Album ("Everything you knew was wrong") und neuem Drummer im Gepäck war der Start für die "Alive Tour 2003" gegeben - und wo könnte ein "WarmUp" für eine Tournee besser begonnen werden, als in der Heimatstadt selber. Als Venue die Wiener Arena auserkoren, sollten die vier Jungs von Whispers in the Shadow im Rahmen des dort stattfindenden "Eyesprung" Festes für gute Stimmung sorgen, dem ab 22:45 Uhr auch Folge geleistet wurde.
Eröffnet wurde das Konzert mit dem Lied "Waste", das im übrigen auch den Opener der neuen CD darstellt. Zumindest jener Song demonstrierte, dass die Band dem Etikett "The Cure Tribute Band" längst überdrüssig geworden war: deutlich rockiger und härter zeigt sich die Musik, ohne jedoch den für die Band so charakteristischen Gitarren Wave Sound der 80er unter den Teppich gekehrt zu haben. Individuelle Weiterentwicklung wäre sicherlich ein treffender Ausdruck. Wenn ich die Band anhand des momentanen Sounds schubladisieren müsste, würde ich einen Punkt irgendwo zwischen The Cure und Placebo mit einem individuellen Touch von Pop und Rock wählen - eine Mischung, die es durchaus in sich hatte.
Mit Songs wie "Found" oder "Rain" wurde dem Publikum ein Einblick in die älteren Tage der Band geliefert, Lieder wie "Nothing stays forever" oder "Zero Man" hingengegen legten eine Repräsentation des etwas neueren Schaffenswerk nieder. Ältere Lieder wurden geschickt in neues Gewande gepackt und dem momentanen musikalischen Stil angepasst, sodass man auch bei oft gehörten Sachen eine gewisse Frische und Lebendigkeit verspürte - nichtzuletzt dem dargebotenen Engagement der Band zu verdanken.
Eindrucksvoll und energetisch präsentierte Ashley, dass der Umgang mit der Gitarre gekonnt ist und keine Grenzen kennt. Wenn der kleine Mann in rot seine Gitarre bediente, wurde zurecht das Gefühl erweckt, als würde er in einem Akt zwischen Liebe und Verzweiflung mit ihr verschmelzen, eins werden. Oder um dem Kitsch dieses Satzes ein wenig zu fröhnen: Vom Handwerk kann man sich zur Kunst erheben, vom Pfuschen nicht. Bei Whispers trifft sicherlich der erste Teil dieses Sprichwortes zu.
Trotz Professionalität und Engagement hatte die Band jedoch auch hier mit der Euphorie des anwesenden Publikums zu kämpfen. Applaus war zwar ausreichend vorhanden, doch so richtig mitgehen wollte irgendwie keiner. Ein altes leidiges Problem, mit dem wohl die meisten der in Wien auftretenden Bands zu kämpfen haben.
Bands die was auf sich halten, stört zumindest jenes nicht, oder sie lassen es sich nicht anmerken. So kam mit "A Taste Of Decay" wohl eines ihrer beliebtesten Lieder - ein Song aus dem gleichnamigen Album, bei dem sich ein gewisser Placebo Touch mit Sicherheit nicht ganz abstreiten lässt. Leider stellte sich heraus, dass sich das Konzert mit jenem Lied auch schon zum Ende neigte, denn nach einer knappen Stunde Spielzeit wurde das Publikum letztendlich mit den drei gleichnamigen Teilen in die Welt der Permanent Illusions verführt. ... Und so ganz wollte das Publikum aus diesen Illusionen wohl auch nicht wieder heraus treten, denn der Drang nach Zugabe war kaum oder nur wenig vorhanden. Schade, schade,... hätte ich doch gerade jetzt Lust nach mehr verspürt.
Fazit: Endlich wieder einmal ein Konzert, das eine willkommene Abwechslung zu der noch immer überfluteten Welle an Electro geboten hat. Ein kleiner Trip in die wavige Welt der 80er, ehrlicher, handgemachter Gitarrensound...Guter Sound mit einer guten Live Band, die sich in meinen Augen in den letzten Jahren einen weitaus höheren Status verdient hätte, als ihr momentan zugesprochen wird. Bleibt doch zu hoffen, dass das angeblich im Herbst erscheinende Album ihren Status noch weiter erhöht - Ich wünsche es ihnen auf jeden Fall.